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Das StempelbuchEin Wanderheft entlang der Lieser

St. 06Die Lieser

Das Tiefental: die Lieserklamm unter Manderscheid

Unterhalb von Manderscheid hat sich die Lieser tief ins Felsland geschnitten. Über den engsten, schönsten und anspruchsvollsten Abschnitt des Weges.

Gegangen am · P. Leyendecker, Wegereporter · gelesen von K. Daamen · 700 Wörter

Enge bewaldete Flussschlucht, ein schmaler Pfad führt über Felsen oberhalb eines dunklen Wasserlaufs, Moos und Farn an den Ufern
Der Felsenpfad oberhalb der Lieser zwischen Manderscheid und Eisenschmitt, im August mit hohem Farn. Tafel: U. Berges, Tafeln des Hefts.

Zwischen Manderscheid und Wittlich wird aus dem breiten Wiesenfluss der Vulkaneifel ein anderes Wasser. Die Lieser hat sich hier tief in das Land geschnitten, die Hänge fallen steil ab, und der Pfad klebt am Hang oder läuft auf Felsen knapp oberhalb des Flusses. Der Abschnitt ist mit 23 Kilometern die längste Etappe des Lieserpfads und zugleich die anspruchsvollste. Was ein Fluss mit einem Ort macht, lässt sich auch anderswo lesen, etwa im Ortsblatt von Ballina am River Moy, wo der Fluss bis heute den Rhythmus der Stadt setzt. An der Lieser ist es die Geologie, die den Takt angibt.

Wie das Tal entstand

Die Lieser entwässert die Vulkaneifel nach Süden zur Mosel. Zwischen Manderscheid und Großlittgen durchbricht sie die südliche Eifelkante: das Wasser hat sich in die Schiefer- und Grauwackenlagen der Umgebung eingegraben. Was heute romantisch wirkt, ist ein geologischer Durchbruch: der Fluss hielt seine Richtung, während das Land sich hob, und schnitt sich immer tiefer ein. Das Ergebnis ist ein Kerbtal mit Felspartien, Schuttkegeln und Wald, der bis an den Wasserrand reicht.

Das Tiefental ist der Grund, warum die Lieser hier nicht wie weiter oben ein breites Wiesenband ist, sondern ein Fluss in einer Schlucht, die man nur auf dem Pfad erlebt.

Der Weg am Fels

Der Lieserpfad nutzt dieses Gelände konsequent. Nach den Burgen von Manderscheid fällt der Weg zum Fluss hinab und folgt ihm auf schmalen Steigen. Es geht über Baumwurzeln, über Blöcke, an moosigen Felswänden vorbei. Stellenweise ist der Pfad nur einen halben Meter breit, mit dem Hang zur einen und dem Wasser zur anderen Seite. Bei Hochwasser oder nach Starkregen können einzelne Passagen nass und rutschig sein; festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.

Die Mühe lohnt sich: das Tal ist der landschaftlich dichteste Abschnitt des ganzen Weges. Aussichtspunkte oberhalb des Flusses wechseln mit engen Passagen am Wasser, und die Ruhe im Tal ist bemerkenswert, weil weder Straße noch Ort die Schlucht teilen.

Orte im Tiefental

Mitten in diesem Abschnitt liegt Eisenschmitt, ein kleiner Ort an der Lieser mit seiner ehemaligen Klosterkirche und einem Klosterhof, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Einkehr gibt es dort und weiter südlich an der Üdersdorfer Mühle, die seit Generationen am Fluss steht und an der der Eifelsteig den Lieserpfad trifft. Bis zur Mühle bleibt man im Tal, danach zieht der Weg wieder in offeneres Land.

Wann der Abschnitt am schönsten ist

Im Frühjahr, wenn die Lieser voll ist und der Wald frisch austreibt, trägt das Tal den stärksten Kontrast zwischen Wasser und Grün. Im Herbst färbt sich der Hangwald, und das tief eingeschnittene Tal wirkt noch geschlossener. Im Hochsommer steht die Luft in der Talsohle; wer dann geht, startet am besten früh. Nach anhaltendem Regen lohnt der Blick auf die Pegel: einzelne Passagen am Wasserrand können dann verlegt oder zeitweise schwer gangbar sein.

Die Ruhe des Tals

Das Tiefental ist der ruhigste Abschnitt des Lieserpfads, weil weder Straße noch Ort die Schlucht teilen. Man hört das Wasser, den Wind in den Bäumen und nichts sonst. Die Ruhe ist der Grund, warum der Abschnitt so dicht wirkt: man ist allein mit dem Fluss und dem Pfad, und die Stille gehört zum Erlebnis.

Die Natur im Tal

Das Tiefental ist auch ein Naturraum: die steilen Hänge und das feuchte Klima am Wasser lassen einen Wald wachsen, der dichter ist als weiter oben. Farn und Moos wachsen an den Felsen, die Vogelwelt ist reich, und wer leise geht, sieht Dipper und Graureiher am Wasser. Der Wald ist Mischwald aus Buche und Eiche, und die Schlucht hält ihre eigene Luft.

Der Weg als Grenzerfahrung

Das Tiefental ist der Abschnitt, in dem der Lieserpfad am anspruchsvollsten wird: die Steige sind schmal, die Felsen glitschig, und der Weg verlangt Aufmerksamkeit. Wer den Abschnitt geht, merkt, dass der Weg hier kein Spaziergang ist, sondern ein Pfad, der das Gelände nutzt. Die Anstrengung gehört zum Erlebnis.

Gemerkt

  • Längste Etappe des Weges: 23 Kilometer von Manderscheid nach Wittlich.
  • Schmale Felssteige, bei Nässe rutschig; festes Schuhwerk und Trittsicherheit nötig.
  • Einkehr in Eisenschmitt und an der Üdersdorfer Mühle, wo der Eifelsteig den Weg trifft.
  • Vollständig im Tal, ohne Straße: der ruhigste und dichteste Teil des Lieserpfads.
  • Der Abschnitt ist der landschaftlich stärkste und dichteste des ganzen Weges.

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